Dienstag, Oktober 18, 2005

überinformiert - unterorientiert

Ob es jetzt der Chemiker Ortwin Schäfer (1999 "Konstrastives Denken") oder der Soziologe Peter Atteslander war, der als erster das Begriffspaar in die Diskussion gebracht hat, ist nebensächlich. Das Problem ist mit diesem Wortpaar gut auf den Punkt gebracht. Uns fehlt das Orientierungswissen, um das Verfügungswissen sinnvoll und effektiv bearbeiten zu können. Die nicht enden wollende Diskussion um den Wertewandel in der Gesellschaft weist uns darauf hin, dass Moral nicht mehr autoritativ vorgesetzt werden kann, weil es dann nicht angenommen wird, andererseits aber auch nicht jeder alle Sackgassen ausleben kann, um am Ende festzustellen: So kann ich weder mit mir noch mit meinen Mitmenschen umgehen. Der Preis dafür wäre zu hoch. Interessante Ansätze basieren auf langfristig und nachhaltig wirkenden Verhalten, die dem Menschen gut tun. Übersetzt aus der Soziologensprache ins Alltagsdeutsch: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinen andern zu." oder biblisch: "Alles, was ihr also von Anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten." (Mt 7,12)
Auf dem Hintergrund dieser Zeitenstimme bekommt es eine ein symbolische Bedeutung, wenn der Vorsitzende des Generalpräsidiums Navigationssysteme verschenkt. Nun war an dem Abend des 15.Oktobers der Empfänger dieses GPS-gestützten Navigationssystems sicher keiner, der nicht wüsste, wo es lang geht. Pater Duncan Mc Vicar, der zusammen mit Schwester Johanna Maria das Projektbüro für den WJT leitete, braucht keine Orientierungshilfe für Gut und Böse, sondern wirklich ein Navigationssystem für sein Auto, um von A nach B zu kommen. Aber unabhängig von dem Adressaten dieses Geschenkes wäre es der Mühe wert, der Spur nachzugehen, inwieweit die Schönstatt-Spiritualität Orientierungs- und Lebenshilfe geben kann. Hat der Gründer uns nicht ein Navigationssystem zur Verfügung gestellt, mit dem wir uns in vielfältigen und überraschenden Lebenssituationen orientieren können? Idealpädagogik - Werktagsheiligkeit - Vorsehungsglauben - Beiträge zum Gnadenkapital und Bewegungspädagogik geben uns das Rüstzeug, um jede Situation noch einmal für uns als Wachstums- und Reifungschance zu intepretieren und entsprechend anzugehen. Zugegeben - manchmal kommen wir nicht selber drauf, sondern brauchen die Ermutigung und Weggefährtenschaft unserer Mitschönstätter, damit wir den schwierigen Wachstumsweg auch wählen und gehen können, statt im Selbstmitleid zu baden oder alle Welt für schuldig und uns als Opfer zu erklären. Schönstatt-Spiritualität als Navigationssystem - wer kann konkrete Erfahrungen in diesen Chatroom einbringen? Die Diskussion und der Erfahrungsaustausch ist eröffnet...............
Pater Elmar Busse

Die Jahresparole der deutschen Schönstatt-Bewegung für 2005/2006 lautet:

SCHÖNSTATT, unser Weg - wir brechen auf!

Montag, Oktober 17, 2005

O W - Beschäftigungen I

Haben Sie schon mal überlegt, was OW'ler eigentlich so machen?

Antwort 1: Eis essen!!!
Frage: Wo gab's das Eis?????

O W -Beschäftigungen I


Was machen die Delegierten eigentlich auf der OW? Eis essen!!!!!!

Sonntag, Oktober 16, 2005

Wer hat Angst vorm sanften Rebell?

15.Oktober 14.00 Uhr: Christian Feldmann präsentiert seine neueste Biographie "Gottes sanfter Rebell". Der zuständige Ortsbischof hatte schon lange vorher sein Kommen zugesagt. Jetzt erfahren die erstaunten Zuhörerer, dass er 2 Tage vorher ohne einen Grund zu nennen, abgesagt hat. Damit sind der Spekulation alle Türen geöffnet, wer wie woran gedreht haben könnte. Die Veranstaltung selbst ist attraktiv. Stühle müssen hergeschleppt werden, weil die bereitgestellten nicht ausreichen. Etliche Journalisten sind gekommen. Der Leiter des Patris-Verlages, Pater Rudolf Ammann, begrüßt die Anwesenden und den Autor, die Wilfried Röhrich-Band "WIR4" schafft mit modernen religiösen Liedern das passende Klima, schließlich kommt Christian Feldmann selbst zu Wort und liest Passagen aus seinem Kentenich-Buch. Am Ende stehen die Besucher Schlange, um die Hundert am Ort verkauften Exemplare signieren zu lassen. So nebenbei erfährt man, das Feldmann ein Räuber ist - ein Schlafräuber. Selbst 80jährige haben das Buch ein einem Zug durchgelesen. Jemand anderes erzählte: Die Biographie von Monnerjahn war mir zu trocken gewesen, aber jetzt habe ich das Buch in zwei Tagen durchgelesen. Es ist einfach leicht verständlich, flüssig und spannend geschrieben. Wirklich keine Einschlaflektüre!
Dass die Meinungen über dieses Buch auseinandergehen, ist bei einem Menschen wie Kentenich, der selbst immer wieder zum Zeichen wurde, dem widersprochen wurde, das Natürlichste von der Welt. Wer ist dieser Josef Kentenich für mich? Das Buch - so deuten alle Zeichen darauf hin - wird zur Provokation, um sich dieser Frage neu zu stellen - sowohl für Schönstätter wie für Interessierte außerhalb Schönstatts.
Pater Elmar Busse

vom Seinsapostel zum Projektapostel

"Sein oder nicht Sein heißt die Frage" - zumindest bei Shakespeares Hamlet. Das Sein ist nicht so sehr in Frage gestellt, und demzufolge ist auch das Seinsapostolat die beliebteste und risikoärmste Apostolatsform vieler Schönstätter. Damit soll jetzt Schluss sein - wenn es nach dem Bewegungsleiter geht. Auf der Grundlage des Seinsapostolats die Initiative ergreifen, um mehr Projektapostolat zu wagen - diese wichtige Weichenstellung gab der Bewegungsleiter der Gesamtbewegung mit auf den Weg. (auch wenn er sich in der Frage der Richtlinienkompetenz bedeckt hielt, man lernt schließlich aus den blauen Augen der anderen und Josef Kentenich bevorzugte sowieso immer das freie Spiel der Kräfte) Die Jugend hat es vorgemacht: Während des Weltjugendtages an 3 Zentren in Käln rund um die Uhr Programm anzubieten, die Menschenkette vom Kölner Heiligtum zum Dom zu knüpfen, vor dem WJT ein Festival mit 3000 Jugendlichen aus 18 Ländern vom Programm und von der Logistik in die Reihe zu bekommen, bei den Begegnungen in den Diözesen kräftig mit zu mischen, junge Erwachsene zu motivieren, dass sie im Zentralbüro mitwirken - was steckt dahinter für eine geballte gestalterische Energie und wieviel Kompetenz! Wollen wir in Deutschland als einzelne Schönstätter nicht nur den katholischen Grundwasserspiegel in unserer Umgebung und in unseren Pfarreien heben, sondern mit unserem spirituellen Profil deutlicher wahrgenommen werden, dann brauchen wir Projekte, die nicht nur Schönstt enthalten aber no-name-Produkte sind, sondern wo auch deutlich auf dem Etikett steht, dass es ein Schönstatt-Produkt ist. Wenn doch der praktische Beweis der Jugend auf die ältere Generation ansteckend wirken würde!!! Denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Pater Elmar Busse

Hochseeflotte?

Klar, dass es auch am 3. Oktoberwochentag noch Bekannte gibt, die man bisher noch nicht gesehen oder begrüßen konnte. Ebenso klar, dass die Pausen immer zu kurz sind, denn man hat nicht nur diese oder jene Person noch nicht die Hand geschüttelt, sondern vielfach gibt es schon die eine oder andere Veranstaltung abzustimmen, Vereinbarungen zu treffen...

Nach dem brillanten Vortrag des Bewegungsleiters am heutigen Vormittag jedoch wurden seine Fragen und seine Impulse zur Mobilmachung auf der ganzen Linie bis hin zum 100. Geburtstag der Schönstattbewegung das beherrschende Pausenthema.

Nicht wenige waren erstaunt, die gigantischen Aufgaben, die uns erwarten, einmal in so komprimierter und strukturierter Form als Herausforderung an die ganze Familie vor sich zu sehen. Doch es blieb in den Gesprächsfetzen, die ich im Vorbeigehen in dieser Pause aufnahm, nicht bei der Analyse, sondern überall spürte man Zuversicht und das Vertrauen auf die Kraft des Liebesbündnisses.

Das „Nichts ohne Dich – nichts ohne uns“ wird auch in Zukunft die Grundlage für jene Hochseeflotte bilden, die im Geist unseres Vaters und Gründers zwischen Weltjugendtag und 2014 mutig in noch unbekannte Gewässer aufbricht. Isp

Sparschweinerei

Was ist passiert, wenn's quiekt, scheppert und rollt? - das war keine Scherzfrage des Bewegungsleiters, sondern es war "aus dem Nähkästchen geplaudert: Dann hat wieder ein Schönstatt-Diözesanpriester sein Sparschwein geschlachtet und den Inhalt für das zu errichtende Romzentrum gespendet. Nach dem grandiosen Start der Einweihung des Rom-Heiligtums 2004 soll jetzt das Bildungshaus gebaut werden. Versprochen ist versprochen. Doppelt, wenn es dem Gründer zum 80. Geburtstag versprochen worden war.
Doch Firmen, die expandieren, ohne dem laufenden Geschäft genügend Aufmerksamkeit zu widmen, manövrieren sich in die Sackgasse. Konkret: Wie soll weiterhin das Büro des Bewegunsleiters und das Büro von Press-Office finanziert werden? Wenn man mehr Mittel hätte, könnte man personell aufstocken. Aus der Halbstagsstelle für den Fotoreporter und web-master z.B. ist zusammen mit dem ehrenamtlichen Einsatz schon eine 110% Beschäftigung geworden. Auf den Knochen Einzelner expandieren zu wollen, ist eine Form von Sklaverei. Wem Press-office und das Büro des Bewegungsleiter etwas wert ist, sollte das ruhig auch mal in Euro ausdrücken! Sonst wird aus dem Dienst an der Gesamtbewegung eine Spar-Schweinerei auf Kosten weniger.
BWL-Fernstudent E.Busse

"Sie haben keinen Wein mehr"


„Das hätte ich nicht gedacht, dass den Schönstättern so schnell der Wein ausgeht!“

Diesen Kommentar hörte ich nach der feierlichen Sonntagsmesse mit Erzbischof Garnier, Cambrai, als die hl. Kommunion unter beiderlei Gestalten angeboten wurde, aber leider nicht für alle ausreichte.

Doch konnte das die Freude an dem von den Marienschwestern so festlich gestalteten Gottesdienst nicht wirklich trüben. Einmal mehr wurde im Versammeln um den Altar der Familiengeist gestärkt und die Bereitschaft zum Dienst für und in der Kirche. Isp

Dornröschen-Kapellchen

"Es war einmal ..." Doch diesmal ging es nicht um ein Schloss, sondern um ein Kapellchen, um das in den letzten 40 Jahren eine hohe Dornenhecke gewachsen war. Die, die von drinnen nach draußen wollten, zerkratzten sich erst die Sachen, dann die Hände, schließlich das Gesicht. Sie wurden müde, leckten ihre Wunden und fragten sich: "Warum gelingt uns nicht der Aus- und Durchbruch in die breite Öffentlichkeit?" Doch es gab auch welche, die von außen rein wollten, weil sie irgendetwas ersehnten. Doch die Dornen einer seltsamen Binnensprache, die abweisende Hecke fehlender niedrigschwelliger Angebote, das resignierte Schweigen derer, die es hätten wissen können, führten dazu, dass Viele das zugewachsene Kapellchen links liegen ließen und anderswo suchten, wenn sie sich nach spiritueller Vertiefung, nach Heilung, nach Orientierung oder nach Gemeinschaft sehnten.
Doch dann kam der August 2005, und Sonne und Regen sorgten dafür, dass die Hecke zu blühen anfing. Auf einmal war es nicht nur für einen einzelnen Prinzen, sondern für viele unter 30 mühelos möglich, durch die Hecke zu gelangen, ohne sich zu verwunden. Ja, man konnte sich die blühenden Rosen ins Knopfloch stecken und wurde angesprochen: Wo gibt es denn diese schönen Rosen? Das führte dazu, dass immer mehr Jugendliche durch die Hecke fanden und mit der Zeit wurden aus den schmalen Trampelpfaden richtige Zufahrtsstraßen. Und die Prinzessin, die in dem Schloss - äh, in dem Kapellchen - residierte, brauchte nicht erst wachgeküsst zu werden. Denn wach war sie immer, aber sie war etwas schläfrig geworden, weil es ihr so langweilig geworden war, denn es kamen so wenig Neue. Nun kamen sie scharenweise und forderten sie richtig heraus. Auf einmal hatte sie wieder ordentlich zu tun und blühte richtig auf. Endlich konnte sie zeigen, was sie alles konnte. Endlich konnte sie beweisen, dass ihr Versprechen vor 91 Jahren, die jugendlichen Herzen an sich zu ziehen und sie zu erziehen, keine leeren Worte waren. Nur war sie in gewisser Weise ohnmächtig, denn die Hecke durchlässig zu machen, das war nicht ihre Sendung. Darum sollten sich andere kümmern. So hatte es die oberste Regie vorgesehen. Doch ein neues Problem entststand: Der Türhüter, der in der langen Zeit davor in der Nacht seine Ruhe hatte, sah durch den Ansturm seinen Schlaf gefährdet. Dabei war die Lösung doch so einfach, dass man sie fast übersehen hätte: Er brauchte nicht bis Mitternacht oder gar bis Zwei Uhr zu warten, um das Kapellchen zuzuschließen. Er konnte ruhig schlafen gehen und es die ganze Nacht offenlassen, denn Beter gab es genug. Und wenn er am nächsten Morgen in das Kapellchen kam, dann war weder der Teppich angesengt, noch dem Paulus das Schwert geklaut, aber die Hände der Prinzessin, die inzwischen Königin geworden war, waren voll mit Geschenken der Besucher der vergangenen Nacht, und alle, die mit ihren Nöten zu ihr kamen, konnte sie reichlich geben.
Leider kann ich jetzt nicht schreiben: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ..." Denn es ist ja kein Märchen und es soll noch nicht enden. Aber wenn jetzt der Herbst kommt und die Nächte kühler werden, dann kann es sein, dass die Hecke wieder härter und undurchlässiger wird. Eine alte Förstererfahrung: Waldwege, die von vielen Menschen häufig begangen werden, können nicht zuwuchern. - Das ist die Lösung für die Zukunft. So ungefähr stellte es sich auch Pater Penners vor, als er von 2014 träumte.
Pater Elmar Busse